Thomas Lucker „Wendepunkte – Licht und Stein“
Was macht die Figuren, die Thomas Lucker in Stein haut, so besonders, so dass sie uns berühren? Sie sind in Bewegung und doch statisch. Sie strahlen eine große Präsenz aus und sind gleichzeitig in einem Moment der Innerlichkeit gefangen. Sie sind ganz im Augenblick – und doch im Aufbruch. Signalisieren sie einem Wendepunkt? Der nächste Schritt scheint entscheidend, aber wohin führt er? Das scheint ungewiss. Fallen wir oder springen wir?
Menschen in Afrika. Auf Schiffen. Gesichter. Figuren im freien Fall, in der Luft schwebend. Geht es abwärts oder aufwärts? Vieles ist denkbar; entscheidend ist der Blick des Betrachters. Thomas Lucker hat seine Kindheit und Jugend auf See verbracht, kennt die Aufbrüche und Abschiede, aber vor allem auch das dazwischen, die lange Zeit auf dem Meer, in der Erinnerung und Realität verschwimmen. In seiner Kunst gibt er sich nicht mit einzelnen Ebenen der Wirklichkeit zufrieden. Er verschränkt Dauerhaftes und Vergängliches, hält „in Stein gemeißelt“ fest, was nur für den Augenblick bestimmt war. Er verbindet in einer einzigartigen Technik Stein und Fotografie. Seine belichteten Kalksteinskulpturen sind immer Einblicke. Sie fixieren Momente des Lebens, die jeden Augenblick kippen können.
Thomas Lucker wurde 1959 in Osten an der Oste in eine Kapitänsfamilie geboren. Nach einer Ausbildung zum Steinbildhauer und dem Kunststudium in Hannover, lebt er seit 1995 als freier Künstler in Berlin. Neben seiner Arbeit als Bildhauer ist er auch als Restaurator tätig, unter anderem für das Pergamonmuseum in Berlin und das Römisch-Germanische Museum in Köln, aber auch auf archäologischen Ausgrabungen im Sudan und in Ägypten, sowie in Projekten in Israel, Seoul, Rom und Istanbul. Das Neue Museum in Berlin trägt wesentlich seine Handschrift.
Thomas Lucker „Wendepunkte – Licht und Stein“